Einsteiger-Guide · Travel-Insider

Meilen sammeln und clever einlösen: Der Einstieg, der wirklich hilft

Business Class fliegen für einen Bruchteil des Preises. Das klingt nach einem Insidertipp für Vielflieger. Ist es aber nicht. Wer die Grundlagen versteht, kann das auch als Normalreisender. Hier erkläre ich, wie das Meilengame funktioniert und womit du anfangen solltest.

Von Dominik Reichert · Travel-Insider ca. 10 Min. Lesezeit
Das Wichtigste vorab

Was Meilen und Punkte eigentlich sind

Meilen und Punkte sind programmeigene Währungen. Airlines haben sie ursprünglich erfunden, um Stammkunden zu belohnen. Inzwischen steckt dahinter ein viel größeres System: Kreditkarten, Hotels, Mietwagen und Alltagseinkäufen.

Je nach Programm heißen sie anders: Miles & More nennt sie Meilen. American Express nennt sie Membership Rewards Punkte. Marriott nennt sie Bonvoy-Punkte. Der Mechanismus dahinter ist aber immer gleich: Du sammelst sie, du löst sie ein, du sparst dabei Geld oder holst dir Reiseerlebnisse, die du dir sonst nicht leisten würdest.

Wichtiger Unterschied

Airline-Meilen sind direkt an ein bestimmtes Vielfliegerprogramm gebunden, z.B. Miles & More bei Lufthansa. Flexible Punkte wie American Express Membership Rewards kannst du zu verschiedenen Partnerprogrammen transferieren. Das macht sie in der Regel wertvoller, weil du nicht auf ein einziges Programm angewiesen bist.

Der häufigste Irrtum dabei: Viele denken, dass man dafür oft fliegen muss. Das stimmt nicht. Wer die richtigen Kreditkarten nutzt, sammelt mit normalen Alltagsausgaben mehr Punkte als mit den meisten Reisen.

Wie du im Alltag Meilen sammelst

Es gibt im Wesentlichen drei Wege, um Meilen zu sammeln:

1
Kreditkarten-Ausgaben

Für jeden Euro, den du mit einer Meilen-Kreditkarte bezahlst, bekommst du Punkte gutgeschrieben. Dazu kommen Willkommensboni sind oft der schnellste Weg zu einem großen Punktestand am Anfang.

2
Fliegen und Übernachten

Wenn du fliegst oder in Hotels übernachtest, die einem Bonusprogramm angehören, sammelst du direkt Meilen oder Punkte. Das macht Sinn, ist aber selten der stärkste Hebel.

3
Einkaufsportale und Aktionen

Viele Programme haben Partnerportale: Du kaufst online ein, rufst vorher das Portal des Programms auf und bekommst Bonuspunkte obendrauf. Payback-Punkte lassen sich außerdem zu Miles & More transferieren.

Für den Einstieg ist Weg 1 mit Abstand der wichtigste. Ein guter Willkommensbonus kann dir schnell 30.000 bis 80.000 Punkte bringen. Bei richtiger Einlösung entspricht das einem Langstreckenflug in der Business Class.

Was das konkret bringt

Hier kommt der Teil, bei dem die meisten Augen aufgehen. Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an.

Ein Business-Class-Flug Frankfurt nach New York kostet regulär oft zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Mit Miles & More Meilen kannst du denselben Flug für rund 60.000 bis 80.000 Meilen plus Steuern und Gebühren buchen. Das ergibt, je nach Buchungsweg, einen Eigenanteil von vielleicht 200 bis 400 Euro für ein Ticket im Wert von 4.000 Euro.

Einlösung Typischer Bedarf Marktwert Wert pro Punkt
Sachprämien (z.B. Koffer) ~15.000 Pkt. ~80 € ~0,5 Cent
Economy-Kurzstrecke Europa ~25.000 Pkt. ~300 € ~1,2 Cent
Business Class Langstrecke Sweet Spot ~70.000 Pkt. ~3.500 € ~5 Cent
Reiseguthaben (direkte Einlösung) ~50.000 Pkt. ~250 € ~0,5 Cent

Das Problem: Viele lösen Punkte für Sachprämien oder Rabatte ein und verschenken damit den größten Teil des möglichen Werts. Wer weiß, wie es geht, holt das Fünf- bis Zehnfache raus.

„Viele haben nach einem Jahr Sammeln 40.000 Punkte auf dem Konto und lösen sie dann für einen Kurzstreckenflug in der Economy ein. Dabei hätten sie mit etwas Geduld und dem richtigen Transfer Business Class auf Langstrecke fliegen können."

Der Hebel, den die meisten übersehen

Flexible Punkte wie American Express Membership Rewards sind deshalb so wertvoll, weil du sie zu verschiedenen Partnerprogrammen transferieren kannst. Statt dir vorab auf ein Airline-Programm festzulegen, schaust du bei der Buchung: Welches Programm bietet die günstigste Einlösung für meine Route?

Konkret bedeutet das: Dieselben Amex-Punkte kannst du zu Flying Blue (Air France/KLM), zu British Airways Avios oder zu Etihad Guest übertragen, je nachdem, was gerade besser passt.

Beispiel Transferpartner

Du hast 50.000 American Express Punkte. Direkt bei Amex als Reiseguthaben eingelöst: rund 250 Euro. Transferiert zu Flying Blue und für einen Transatlantikflug in der Business Class genutzt: ein Vielfaches davon. Gleicher Punktestand, komplett anderes Ergebnis.

Das ist auch der Grund, warum Kreditkarten mit flexiblen Punkten fast immer sinnvoller sind als direkte Airline-Kreditkarten. Du bleibst flexibel und kannst immer den besten Weg wählen.

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Typische Fehler am Anfang

Bevor du loslegst, lohnt es sich, die häufigsten Fehler zu kennen. Die meisten Anfänger machen mindestens einen davon.

Punkte für Sachprämien einlösen

Koffer, Elektronik oder Hotelübernachtungen in niedrigen Kategorien: Das klingt praktisch, ist aber fast immer die schlechteste Wahl. Der Wert pro Punkt liegt dabei oft fünfmal unter dem, was ein Prämienflug bringen würde. Wer so einlöst, schenkt Wert weg, ohne es zu merken.

Punkte sammeln ohne Ziel

Wer einfach sammelt und sich irgendwann schon etwas ausdenken will, verliert oft Wert. Programme ändern ihre Einlösebedingungen, Meilen können verfallen, und ohne Plan fehlt oft die Motivation, konsequent zu bleiben. Besser: erst ein Ziel definieren, dann die passende Strategie dahinter bauen.

Nur auf die Anzahl der Punkte schauen

Ein Programm mit 50.000 Punkten kann mehr wert sein als eines mit 100.000, wenn die Einlösung besser ist. Vor dem Sammeln lohnt es sich zu schauen, was sich am Ende damit anfangen lässt.

Den Willkommensbonus unterschätzen

Der Willkommensbonus einer guten Kreditkarte ist oft mehr wert als ein ganzes Jahr normales Sammeln. Wer das nicht nutzt, lässt den größten Hebel liegen. Für Einsteiger ist das fast immer der sinnvollste erste Schritt.

D
Dominik Reichert · Travel-Insider
„Ich sehe das immer wieder: Leute sammeln monatelang fleißig und lösen dann in der Economy ein, weil sie nicht wussten, dass es eine bessere Option gibt. Das System selbst ist nicht kompliziert. Man muss nur einmal verstehen, wie es funktioniert."

Womit du anfangen solltest

Du musst jetzt nicht alles auf einmal durchdringen. Das Meilengame baut auf Grundlagen auf. Wer die versteht, trifft danach automatisch bessere Entscheidungen.

1
Entscheide dich für ein flexibles Punkteprogramm

American Express Membership Rewards ist in Deutschland der sinnvollste Einstieg für die meisten. Du bleibst flexibel und hast Zugang zu den relevanten Transferpartnern.

2
Nutze den Willkommensbonus

Hol dir eine passende Karte, erfülle den Mindestausgabenbetrag in den ersten Monaten und sichere dir den Startbonus. Oft sind das 30.000 bis 60.000 Punkte. Das ist dein Grundstock.

3
Versteh das System, bevor du einlöst

Wer Punkte sammelt, ohne zu wissen, wo er damit hinfliegen will, trifft bei der Einlösung oft schlechte Entscheidungen. Ziel zuerst, dann die Strategie.


Das Meilengame ist kein Geheimwissen. Es ist ein System. Wer es einmal verstanden hat, reist besser, für deutlich weniger Geld. Der erste Schritt ist meistens der schwerste, weil man nicht weiß, wo man anfangen soll.

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